Das Jahrzehnt des Transnationalismus hat endgültig begonnen

Es ist wahrscheinlich kein Zufall das an dem Tage, an dem die Weltgemeinschaft ihr Scheitern als Problemlöser in Kopenhagen eindrucksvoll demonstriert hat,  in der FAZ auf Seite 3 eine Anzeige des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erscheint mit dem Slogan: „Haben Sie auch manchmal das Gefühl, die Welt wäre besser, wenn man Sie mal ranlassen würde?“

Ja, das haben nach Kopenhagen glaube ich nunmehr nicht nur die vielen Jugendlichen und anderen Mitglieder und Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisationen die zum Gipfel in die dänische Hauptstadt gefahren sind und in der Kälte stehengelassen wurden. Die Anzeige des BMWZ weist darauf hin, dass „jede Veränderung [ ] aus der Mitte der Gesellschaft“ entsteht und daher die „über 1000 Organisationen und Initiativen in der Entwicklungszusammenarbeit“ „die Unterstützung zahlreicher Bürgerinnen und Bürger“ brauchen. Da ist somit –durchaus noch etwas kryptisch- begleitend zum Desaster von Kopenhagen das Ende nationaler und internationaler Politik im Bereich der Entwicklungshilfe benannt. Dirk Niebel scheint sich wohl wirklich überflüssig zu fühlen und selbst abwickeln zu wollen.

Ist das schlimm?

Nein, durchaus nicht, da wir festgestellt haben, die Staaten werden als Akteure in einem internationalen Staatensystem des 19. Jahrhundert nicht mehr alles regeln können. Es sind zu viele, zu komplexe Sachverhalte und Interessen, die ineinandergreifen auch wenn es nur um ein Thema wie beispielsweise den Klimaschutz geht.

Im 20 Jahrhundert wurde verstärkt das internationale System als Konsequenz der zwei Weltkriege entwickelt. Wesentliche Institution ist die UN. Bestimmte Sachverhalte und Probleme wurden nicht mehr nur national, das heißt von den einzelnen Staaten geregelt, sondern auch international, staatenübergreifend in unzähligen internationalen Verträgen und Erklärungen. Entscheidend ist, nur Staaten und Internationale Organisationen (der Jurist spricht von Völkerrechtssubjekten) waren und sind daran grundsätzlich mit Entscheidungsbefugnissen beteiligt. Nicht aber die Bürger der Staaten oder sogenannte Nichtregierungsorganisationen.

Das soll sich ja anscheinend nach Meinung von Minister Niebel nun endgültig ändern. Und es wird sich ändern müssen und das Gute ist, der Prozess der Veränderung wird nicht aufgehalten werden können.

Schon jetzt arbeiten Freiwillige „Bürgerinnen und Bürger“ auf der ganzen Welt, die verschiedensten Nationen angehören transnational zusammen. Ihr Engagement macht nicht an den Staatsgrenzen halt, da die Themen, mit denen sie sich befassen auch nicht territorial begrenzt sind. Unsere Kommunikationsmöglichkeiten erlauben eine solche unproblematische, professionelle sowie effektive Zusammenarbeit.

Der Anfang jeder Aktion ist meist „local“ und je vom Thema bleibt sie es oder wird  „global“. Die Idee des „Think Globally, Act Locally” ist kein abgedroschener Slogan der vergangenen Jahre sondern die Zukunftsmaxime des Transnationalismus.

Das bedeutet meiner Meinung nach, es ist Zeit für neue Handlungskonzepte, die über „auf die Straße gehen“ hinausgehen. Jeder Einzelne hat nun unbestreitbar mehr Verantwortung! Seit diesem Wochenende wissen wir alle einschließlich Minister Niebel, dass wir, die Bürger und Mitglieder der Weltgesellschaft uns nicht auf die nationale oder internationale Politik verlassen können, sondern nur auf uns und auf unser Handeln.

Auf geht’s!